Klassische Medien – der Ursprung

Seit Anbeginn der Zeit erzählen sich Menschen Geschichten.

Das klingt nach einem Einstieg ins Thema mit hohem Pathos. Nichtsdestotrotz ist diese Aussage sicherlich schwer zu widerlegen. Zugleich stellt die Aussage aber eben einen schönen Einstieg in das Thema dar, vor allem dann, wenn der Begriff "Geschichte" als Medium zur Vermittlung von Information und zur Kommunikation verstanden wird.

Mit diesem Medium "Geschichte" wurden in den frühen Zeiten der Menschheit nicht nur tägliche Erfahrungen ausgetauscht, zum Beispiel wie gefährlich, aber dennoch erfolgreich die Jagd auf ein Tier war oder welche Gefahren sich durch das Sammeln und den Verzehr bestimmter Pilze ergeben. Alles, was man nicht versteht, alles, wovor man Angst hat oder woran man glaubt, wurde und wird weitererzählt. Einige dieser Geschichten werden nicht vergessen, sondern unzählige Male und über lange Zeiten weitererzählt, solange bis die Geschichte endlich zur Legende wird. So entstehen Geschichten, die spätere Generationen dann als Mythen, Sagen oder, dann stark verfremdet oder im Detail überhöht und überzogen, auch als Märchen kennen.

Die Ziele der Nutzung dieses Mediums waren - und sind - durchaus unterschiedlich. Allen Zielen gleich ist, dass etwas für inhaltlich so wertvoll befunden wird, dass es kommuniziert werden soll. Ob die Nutzung unterhaltend, informierend oder (be-) lehrend sein soll, hat Einfluss auf die inhaltliche, auf die strukturelle sowie auch auf die gestalterische Form, die der jeweiligen Geschichte aufgeprägt wird.

Schon seit der Frühzeit der Menschheit werden Geschichten also genutzt, um Informationen spannend zu verpacken und interessant darzustellen und so zu transportieren. Charakterisiert durch die menschliche Stimme, vorgetragen und unterstrichen durch deren Variation, durch Geräusche, Mimik und Gestik, könnte schon das klassische Erzählen von Geschichten auch als die früheste Form multimedialer Präsentation bezeichnet werden. [HOF10]

Wir erzählen also auch hier mit diesem Buch gerade eine Geschichte. Und es handelt sich dabei offensichtlich um eine lange Geschichte, die viele Medien und Medienformen einbindet. An dieser Stelle soll nicht so weit gegangen werden, wie Wikipedia es vorschlägt, indem "Erdhügel, Baumpflanzungen, Steinhaufen, Felswände, Pfähle und Kreuze" als "im weitesten Sinn erste Schriftzeichen" genutzt wurden, um anderen Menschen zu dokumentieren, "dass dort Tote ruhten, große Taten geschehen seien oder welcher Weg von hier zur nächsten Ansiedlung führt" [WIK20d], auch wenn dieser Ansatz durchaus seinen eigenen Reiz besitzt.

Abb. 2
Vom Symbol zum Wissen und zur Geschichte

Allerdings wäre dieser Ansatz so grundlegend, dass dann wohl auch der ganze Weg vom Symbol bis hin zum Datum in die Betrachtung eingeschlossen werden müsste, wie es in der Kommunikations- und den Informationswissenschaften zum Beispiel mit der Wissenstreppe nach North geschieht [NOR06]. Dies soll hier aber nicht geschehen, da das explizit nicht das Ziel dieses Buches ist. Vielmehr soll die Auseinandersetzung mit dem Ziel der Definition der aktuellen Medienformate und ihrer Möglichkeiten im folgenden Kapitel mit Bild- und Schriftzeichen beginnen.