Peter Burke (2012).
A Social History of Knowledge.
John WileyPolity Press.
ISBN: 978-0-74565-042-5.
In „A Social History of Knowledge“ aus dem Jahr 2012 untersucht der Kulturhistoriker Peter Burke die historische Entwicklung von Wissen und betrachett dies aus sozial- und kulturhistorischer Perspektive. Das Buch beschränkt sich nicht auf die Geschichte einzelner wissenschaftlicher Disziplinen, sondern es analysiert Wissen als (gesamt-) gesellschaftliches Phänomen. Peter Burke interessiert sich vor allem dafür, wie Wissen entsteht, gesammelt, organisiert, vermittelt und genutzt wird und welche sozialen Gruppen, Institutionen und kulturellen Rahmenbedingungen diesen Prozess beeinflussen. So werden Ansätze der Geschichts-, Sozial- und Wissensforschung zu einer umfassenden Darstellung der gesellschaftlichen Dimension von Wissen kombiniert.
Im Mittelpunkt stehen die Akteure und Strukturen der Wissensproduktion. Burke betrachtet unter anderem Gelehrte, Universitäten, Bibliotheken, Archive, Druckereien und wissenschaftliche Netzwerke sowie deren Rolle für die Verbreitung und Bewahrung von Wissen. Er vergisst aber auch nicht den Einfluss politischer, wirtschaftlicher und kultureller Faktoren auf die Entwicklung von Wissensordnungen. Ein besonderes Augenmerk gilt Mechanismen der Wissensweitergabe und Veränderungen, die durch neue Kommunikationsformen, -mittel und -techniken und durch institutionelle Entwicklungen ausgelöst wurden und werden.
Die Besonderhet des Buchs liegt in seiner breiten historischen Perspektive. Peter Burke verbindet zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Epochen und Regionen und zeigt, dass Wissen stets in soziale Zusammenhänge eingebettet ist. Er berücksichtigt dabei nicht nur „wissenschaftliches Wissen“, sondern auch praktisches, administratives und kulturelles Wissen. Eine solch weit gefasste Sichtweise eröffnet vielfältige Zugänge zur Wissensgeschichte und macht deutlich, dass Wissensproduktion weit über akademische Institutionen hinausreicht.
Aufgrund der sehr großen Themenbreite ist es gar nicht anders möglich, als dass einzelne Aspekte manchmal leider nur überblicksartig behandelt können. Aber interessierte Leser, die detailliertere Analysen einzelner Epochen oder Institutionen suchen, werden dann auf weiterführende Literatur verwiesen.
„A Social History of Knowledge“ ist ein fundierter Beitrag zur (historischen) Wissensforschung. Wissen, das verdeutlicht das Buch eindrücklich, ist stets das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse und lässt sich nur im Zusammenspiel von sozialen Akteuren, Institutionen und kulturellen Rahmenbedingungen verstehen. Es eignet sich sowohl als Einführung in das Themengebiet „Wissensgeschichte“ als auch als Grundlage für eigene Forschungen zur Wissensgesellschaft und zum besseren Verstehen der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissen.